The 5.000 Dollar-Surgery nobody needs
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Stellungnahme des Bundesverbandes für Ambulante Arthroskopie, BVASK e.V. zu der Veröffentlichung A controlled trial of arthroscopic surgery for osteoarthrosis of the knee von Moseley JB, OMalley K, Petersen NJ, et al., erschienen im New England Journal of Medicine 2002;347: 81-88 The 5000 Dollar surgery nobody needs Am 11.07.2002 veröffentlichte eine Arbeitsgruppe um J.B.Moseley* einen Aufsehen erregenden Artikel im New England Journal of Medicine (NEJM). Die Arbeitsgruppe hatte 180 Patienten mit einer Osteoarthrose des Kniegelenkes prospektiv randomisiert unterschiedlichen Therapieverfahren zugeführt, nämlich einem arthroskopischen Debridement, einer arthroskopischen Lavage und einer Scheinoperation (Placebo-OP). Zusammenfassend kommen die Autoren zu der Erkenntnis, dass alle Therapieverfahren zu dem gleichen Ergebnis führen und deshalb Milliarden von Dollar, die für arthroskopische Operationen ausgegeben werden, besser einem anderen Zweck zugeführt würden. Dieser Artikel hat weltweit Aufsehen erregt und auch in Deutschland zu Echo in Medien, Funk und Fernsehen geführt, die zum Inhalt haben, dass sich arthroskopische Operationen bei degenerativen Knieerkrankungen nicht auszahlen würden. Der Vorstand des BVASK sah sich der Notwendigkeit gegenüber gestellt, hierauf zu reagieren. Nach genauer Analyse des Artikels, Hinzuziehung des wissenschaftlichen BVASK-Beirates Prof. Dr. W. Klein, Düsseldorf, von Prof. Dr. J. Jerosch, Neuss, sowie unter Verwendung der Letters to the Editor in der Zeitschrift Arthroscopy von Lanny L. Johnson, Vater aller modernen Arthroskopeure und Keith Chambers et. al., Vancouver Center of Clinical Epidemiology and Evaluation, kommt der BVASK zu der Erkenntnis, dass die von den Autoren gezogen Schlussfolgerungen aufgrund der vorliegenden Untersuchung nicht zu ziehen sind. Dies hat folgende Ursachen: Studiendesign, Biomathematik und Statistik: Inkongruenz der verwendeten Scores: Die Autoren nutzen eine visuelle Analogskala zur Schmerzmessung als Einschlusskriterium, als Outcome-Messinstrument wählen sie die generelle SF 36-Schmerzskala, um diese im weiteren Verlauf der Studie zu ignorieren und den eigenen Score (KSPS) zu konzipieren und diesen als Messinstrument für die Ergebnisse zu nutzen. Dieses Messinstrument wurde eigens für die Studie kreiert und ist nicht validiert. Es ist nicht zu verstehen und es beeinflusst naturgemäß die Ergebnisse, dass die Autoren ihr Messinstrument zweimal im Verlauf der Studie änderten. Änderung des Studiendesigns während der Laufzeit: Was die Dinge biomathematisch noch konfuser macht ist die Tatsache, dass der Versuch zunächst mit einer Überlegenheitshypothese gestartet wurde. Dann, als die vorläufigen Ergebnisse der Hypothese nicht entsprachen, wurde sie in eine Gleichwertigkeits-Studie umgewandelt, deren Regeln im Nachhinein erst festgesetzt wurden. Hieraus ergeben sich erhebliche Verschiebungen in den Bewertungen der Ergebnisse, die letztendlich biomathematischen Grundregeln nicht entsprechen. Des Weiteren muss den Autoren vorgeworfen werden, dass sie in einer sehr eingegrenzten Population (Veteranen, ausschließlich männlich) tätig wurden. Die Bewertung dieser Tatsache ist äußerst schwierig, in jeden Fall ist die Bevölkerungsgruppe nicht mit einer Normalpopulation zu vergleichen.
In die Studie aufgenommen wurden Patienten mit mäßiger
Osteoarthritis. Ein Staging ist nicht erfolgt. So werden weder radiologische
Kriterien (z.B. Beinachse, Arthrosegrad) genannt noch z.B. der Bewegungsumfang
der erkrankten Kniegelenke gemessen, wo jedem von uns klar ist, dass
Patienten mit starker Bewegungseinschränkung kaum noch eine Chance
haben durch eine arthroskopische Gelenkoperation deutlich beschwerdegebessert
zu werden. Ferner fehlen biometrische Daten wie z.B. Angaben über
das Körpergewicht, dass wenn es sehr hoch ist, häufig die
Ergebnisse von Knieoperationen negativ beeinflusst. Präoperativ
wurde auch nicht festgehalten, ob eine Gelenkschwellung bestand oder
nicht. Ein intraoperatives Staging wurde ebenfalls nicht durchgeführt, so fehlen Angaben über den Knorpelzustand (z.B. Outerbridge -Klassifikation) und über den Grad der Meniskusschädigung, auch wurde kein Vergleich zu den präoperativen Untersuchungsbefunden hergestellt. Die intraoperativen Prozeduren wurden nicht festgehalten,
es fehlen Angaben darüber, ob Synovektomien bei entsprechendem
Befund durchgeführt worden sind, welche Art von Knorpelbehandlung
durchgeführt wurde, wie der Meniskus genau behandelt wurde etc.
Das p.o. Procedere bleibt weitgehend ungeklärt, so wird z.B. nicht auf die Zeit von Teilentlastung bzw. Entlastung der operierten Extremität eingegangen. Aus vorgenannten Gründen ist die Studie, obwohl
sie scheinbar in einer hochwertigen Zeitschrift publiziert wurde,
wissenschaftlich nicht haltbar. Die hieraus gezogenen Schlussfolgerungen
wurden von den nordamerikanischen wissenschaftlichen Gesellschaften
inzwischen einhellig abgelehnt. Vergütung und Kosten Interessant war das Echo der amerikanischen Laienpresse
auf den Artikel im NEJM, so titulierte die New York Times The
5000 Dollar surgery nobody needs. Kommentar Es wundert, dass das New England Journal of Medicine
einen solchen Artikel veröffentlicht hat, der handwerkliche,
medizinische und ethische Fehler aufweist. Hierbei ist zu berücksichtigen,
dass es sich primär nicht um ein Zeitschrift aus dem operativen
Bereich handelt. Insofern - und dies scheint die Meinung vieler Leser
aus dem orthopädischen Bereich zu sein - muss man eine derartige
Publikation in einer solchen Zeitschrift auch berufspolitisch interpretieren. November 2002 Dr. Emanuel Ingenhoven, 1. Vorsitzender Bundesverband für Ambulante Arthroskopie Breite Str. 96 Tel.: +40-2131-153840
**Fond J, Rodin D, Ahmad S, et al. Arthroscopic debridement for the treatment of osteoarthrosis of the knee. Arthroscopy. 2002 Oct;18(8):829-34.
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