Aktuelles
Für Ärzte
Mitgliederforum
Für Patienten
Qualität
Ethik-Kodex
Kongresse
Service
Kontakt
Partner
Partnerverbände
Impressum
Suche
Homepage
© 2001-2012 by BVASK e.V.

Interview

 

Interview der Zeitschrift ‚ambulant operieren’, Thieme Verlag, Ausgabe 1/2001 mit Dr. Emanuel Ingenhoven, 1. Vorsitzender des BVASK

? Sie sind im Mai des vergangenen Jahres zum neuen Ersten Vorsitzenden des Bundesverband für Ambulante Arthroskopie (BVASK) gewählt worden. Ein Verband für nur eine Operationsmethode – das klingt exotisch!
Dr. Ingenhoven: Arthroskopien werden von Chirurgen und Orthopäden durchgeführt. Das heißt: verbandstechnisch sitzen die Arthroskopeure zwischen zwei Stühlen. Zwischen zwei Stühlen bedeutet: es interessiert weder den einen, noch den anderen richtig. Das war zweifelsohne der Grund für die Gründung des Verbandes vor 13 Jahren.

? Kümmern sich die traditionellen Berufsverbände nicht ausreichend um die Probleme der Arthroskopiker?
Dr. Ingenhoven: Kommen wir zunächst einmal auf die Orthopäden. Für den Berufsverband der Ärzte für Orthopädie (BVO) sind die ambulanten Arthroskopeure sicher eine extreme Minderheit und deshalb im Verband nicht ausreichend repräsentiert.
Der BVO bemüht sich zwar, das Fach auch bei seiner Lobbyarbeit z.B. bei der KBV in seiner Gänze darzustellen; die Arthroskopie erhält da aber als kleines Anhängsel im Fach nicht ausreichend Gewicht.
Bei den Chirurgen hat man fast den Eindruck - vermutlich aufgrund des Vorwurfes von Kassen und KBV einer angeblichen Mengenausweitung - dass sie bereit sind, die Arthroskopie auf dem Altar des Goodwills zu Gunsten einer freundlichen Bewertung der klassischen chirurgischen Eingriffe zu opfern.

? Gibt es dafür Hinweise?
Dr. Ingenhoven: Man muß sich bloß die Bewertung von Hammerzehen-Operationen im Verhältnis zur Arthroskopie angucken, wie sie vom BNC vorgeschlagen wird, dann wird einem das klar. Oder ein weiteres Beispiel: Im aktuellem EBM – bei deren Erstellung die KBV von den Chirurgen beraten wurde – die Bewertung einer Karpaltunnel-Operation gegenüber der operativen Arthroskopie. Hiermit will ich nicht sagen, dass die Karpaltunnel-Operation zu hoch bewertet ist, im Gegenteil. Es stimmt aber das Verhältnis nicht!

? Es hat nach den Zahlen des Krankenhausreports 2000 in den letzten 2 Jahren eine Zunahme der arthroskopischen Operationen im Krankenhaus um mehr als 15% gegeben, sie wird häufiger stationär als ambulant durchgeführt. Gehört die Arthroskopie nicht mehr zu den Operationen, die man fast immer ambulant durchführen kann?
Dr. Ingenhoven: Doch - die arthroskopischen Operationen sind eigentlich der Prototyp ambulant durchführbarer Eingriffe. Es ist nicht in Ordnung, wenn sie in diesem Umfang stationär durchgeführt wird.

? Wie kommt es dann zu dieser Zunahme im stationären Bereich?
Dr. Ingenhoven: Diese Fehlentwicklung ist Folge der verqueren Vergütungsstruktur. Im ambulanten Bereich wurden und werden die Arthroskopischen Operationen nicht kostendeckend bezahlt und im stationären Bereich wurden und werden Anreize durch gut ausgestattete Fallpauschalen gesetzt. Das hat in den letzten Jahren entgegen dem medizinisch-technischen Fortschritt sogar zu einer Abnahme der ambulanten Arthroskopien geführt. Den Kassen müßten eigentlich angesichts solcher Zahlen die Haare zu Berge stehen.

? Die Arthroskopie zählt zu den zehn häufigsten stationär durchgeführten Operationen. Ist das nötig?
Dr. Ingenhoven: Es ist noch viel schlimmer! Nicht die arthroskopischen Operationen gehören zu den zehn häufigsten im Krankenhaus erbrachten Operationen, sondern die arthroskopischen Operationen an Knorpel und Menisken! Das heißt: Die meisten arthroskopischen rekonstruktiven Eingriffe wurden hierbei nicht mitgezählt. Dann wären es nämlich noch erheblich mehr. Das Ganze ist ein Armutszeugnis für unsere Gesundheitspolitik .

? Den Arthroskopikern ist immer wieder die nicht medizinisch indizierte Mengenausweitung vorgeworfen worden. Damit ist dieser Vorwurf doch entkräftet - oder?
Dr. Ingenhoven: Wer selbstkritisch ist, wird zugeben müssen, dass in der gesamten Medizin gut bezahlte Leistungen gerne häufig erbracht werden. Das galt auch für die Arthroskopie in den Zeiten, in denen sie noch fair bezahlt wurde. Manch einer hat arthroskopiert, wo er es besser gelassen und den Patienten einem ausreichend versierten Kollegen überwiesen hätte. Angesichts der schlechten Bezahlung haben diese Pseudooperateure sicher das Handtuch geworfen. Das ist ein positiver Aspekt der schlechten Bezahlung!

? Also keine Mengenausweitung?
Dr. Ingenhoven: Derzeit kann davon sicher keine Rede sein. Das zeigt doch schon die Zahl der stationär durchgeführten Arthroskopien. Würden diese Arthroskopien – Voraussetzung hierfür ist, sie werden kosten- und honorardeckend bezahlt – im ambulanten Bereich erbracht, könnten im Gesundheitssystem Millionen gespart werden. Und dem Phänomen der medizinisch nicht indizierten Mengenausweitung kann natürlich mit einem strengen Qualitätsmanagement begegnet werden, wie es sich der BVASK schon immer auf die Fahnen geschrieben hat.

? Wo sehen Sie momentan die vordringlichste Aufgabe des BVASK?
Dr. Ingenhoven: Am meisten brennt es bei den sogenannten Sachkosten! Der Passus „einschließlich Kosten” hinter den arthroskopischen Ziffern im EBM hat bei den ambulanten Operateuren zu einer akuten Kostenproblematik geführt. Dieser für uns so fatale Passus wird von den Kassen dazu genutzt, ja man muß sagen inzwischen mißbraucht, Kosten auf uns abzuwälzen. Das sind nicht nur die Kosten für die Spüllösungen, die sich die Kassen auf dem Regressweg - im Nachhinein - zurückholen, sondern inzwischen auch die Implantatkosten für z.B. Kreuzbänder. Bei noch nicht einmal kostendeckenden Operationshonoraren führt das dazu, dass wir die großen arthroskopischen Eingriffe - betriebswirtschaftlich gerechnet - für gesetzlich Versicherte nicht mehr ambulant anbieten können.

? Die ambulante Arthroskopie – das haben andere Leistungsanbieter immer neidvoll mitverfolgt – war doch immer ein gut honorierter Eingriff.
Dr. Ingenhoven: Vor über 10 Jahren, als die arthroskopischen Ziffern in den EBM eingeführt wurden, hat das gestimmt. Aber in der Folgezeit ist die Vergütung dieser Ziffern kontinuierlich herunter gefahren worden und sie unterliegen schwankenden, in der Regel sinkenden Punktwerten; durch den Passus „einschließlich Kosten” hat sich die Situation nochmals verschärft. Das wollen die Kassen nicht einsehen, obwohl sie der Eingriff im Krankenhaus um ein Vielfaches mehr kostet. Für die arthroskopische Kreuzbandplastik gibt es im Krankenhaus eine Fallpauschale von 9.600 DM. Der über den EBM abrechnende ambulante Arthroskopiker erhält dafür in Abhängigkeit vom Punktwert nur 900-1400 DM, wovon ihm Sachkosten z.B. für Spüllösungen abgezogen werden. Jetzt sollen zusätzliche Kosten für Implantate in Höhe von 400-600 DM vom Operateur getragen werden. Das ist absurd. Eine betriebswirtschaftlich vernünftig kalkulierte ambulante Kreuzband-OP müßte zur Zeit ca. DM 4000,- incl. aller Sachkosten, Implantate, Vor- sowie Nachuntersuchung und kalkulatorischem Arztgehalt - aber exclusive der Narkosekosten - erbringen!

? Bringt der EBM 2000 plus, an dem die KBV derzeit mit Hochdruck arbeitet, eine Besserung für die Arthroskopiker?
Dr. Ingenhoven: Er macht uns insofern Hoffnung, als das Dr. Andreas Köhler angekündigt hat, dass sämtliche Ziffern im neuen EBM betriebswirtschaftlich kalkuliert würden. Der KBV-Honorarchef gibt allerdings auch zu, dass für den Operations-Katalog die Diskussion noch nicht abgeschlossen ist.
So wie die arthroskopischen Ziffern jetzt im Entwurf stehen – es sind nur noch zwei Ziffern mit einer OP-Zeit bis 15 Minuten und jede weiteren 15 Minuten mit einem Aufschlag – sind sie eindeutig nicht betriebswirtschaftlich kalkuliert. Das wird auch von der KBV nicht bestritten. Sollten der EBM mit diesen Ziffern in Kraft treten, ist das kein faires Honorar für unsere hoch spezialisierte Arbeit, es gäbe noch nicht einmal einen vollen Ausgleich der Betriebs- und Operationskosten. Einziger Vorteil: der für uns fatale Passus „einschließlich Kosten” ist gestrichen worden.

? Arbeiten Sie mit der KBV zusammen?
Dr. Ingenhoven: Ja, sogar sehr eng! Wir haben Dr. Köhler unsere betriebswirtschaftlichen Kalkulationen unterbreitet. Manchmal stellt sich mir allerdings die Frage, ob die Arthroskopie insgesamt oder einzelne Arthroskopische Operationen überhaupt im EBM aufgeführt werden sollten. Auf dem Wege der Kostenerstattung oder im Rahmen von Modellversuchen hätten wir zur Zeit sicherlich bessere Chancen, an ein faires Honorar zu kommen.
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Zusammenarbeit mit der KBV ist das leidige Thema Sachkosten. Wir haben in vielen Gesprächen Dr. Köhler von dem Unsinn dieses Passus überzeugen können. Inzwischen ist im Bewertungsausschuss bereits einige Male über diese Problematik gesprochen worden. Wie so oft schalten die Kassen auf stur. Einerseits sehen sie ein, dass es so nicht geht; andererseits wollen sie die Sachkosten aber unter den Budgetdeckel pressen. Dieses Ansinnen kann die KBV - wofür ich Verständnis habe - natürlich nicht hinnehmen.

? Das heißt, es bleibt alles beim alten?
Dr. Ingenhoven: Ich hoffe nein! Um die KBV in ihrer Argumentation zu unterstützen, hat der BVASK zu diesem Passus ein Gutachten bei Dr. Manfred Moewes, dem ehemaligen Leiter der KBV-Honorarabteilung in Auftrag gegeben. Er kommt eindeutig zu dem Schluß, dass dieser Passus nicht nur für die Kostenabrechnung der Implantate widerrechtlich ist; er hält den gesamten Passus für außerordentlich bedenklich.

? Was versprechen Sie sich von den DRG' für das Ambulante Operieren?
Dr. Ingenhoven: Wenn es denn dazu kommt - wie es im Gesetz steht -, dass das Ambulante Operieren im Krankenhaus und in der Praxis die gleiche Vergütungsstruktur erhalten sollen, dann müssen die für die Krankenhäuser bindenden DRG's auch für stationsersetzende Leistungen und Ambulante Operationen gelten. Das gibt uns Hoffnung und darauf werden wir drängen. Insbesondere, da Andrea Fischer und die für die Fehlsteuerungen im ambulanten Bereich unseres Gesundheitswesens in den letzten 2 Jahren verantwortlichen Mitarbeiter im Bundesgesundheitsministerium abgelöst wurden.

? Gibt es einen Ausblick auf die Zukunft der operativen Arthroskopie?
Dr. Ingenhoven: Arthroskopische Operationen werden auch zukünftig zunehmend klassische offene Eingriffe ablösen, sich neue Therapiefelder erschließen und zahlenmäßig zunehmen. Die Frage ist, inwieweit profitiert hiervon der Kassenpatient. Wir müssen uns auf eine zunehmende Lockerung des heutigen Vergütungsgefüges für gesetzlich versicherte Patienten einstellen. In Zukunft werden sicherlich nicht mehr die KV'en alleine mit den Krankenkassen über unser Honorar entscheiden. Es wird zu regional und kassenspezifisch unterschiedlichen Lösungen kommen. Hierbei wird die Verbandsarbeit – ob beratend oder als Vertragspartner – zunehmendes Gewicht erhalten.

 

Lebenslauf

Dr. Emanuel Ingenhoven ist in der fast 15-jährigen Geschichte des Bundesverband für Ambulante Arthoskopie der dritte Vorstandsvorsitzende. Der 42-jährige Orthopäde aus Neuss wurde im Mai vergangenen Jahres zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Die Idee des Ambulanten Operierens vertritt er besonders konsequent. Seit 1993 ist er mit eigener Praxisklinik in Neuss niedergelassen, wo er ausschließlich auf Zuweisung der Kollegen ambulant arthroskopiert. In seiner Freizeit hat er das Qualis-Programm entwickelt – nicht zuletzt um dem ewigen Vorwurf der mangelnden Qualität im niedergelassenen Bereich den Kampf anzusagen.