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Herrn
Prof. Dr. med. E. Doppelfeld
Deutsches Ärzteblatt
Ottostraße 12
50859 Köln
13.02.2004
Plädoyer für mehr evidenzbasierte Chirurgie,
Deutsches Ärzteblatt 101, Heft 6 vom 6. Februar 2004, AZ.-Nr.
226/2003 b
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Doppelfeld,
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 10.2. 2004. Ich
habe mich für eine wissenschaftliche Diskussionsbemerkung zu
o.a. Veröffentlichung entschlossen, wie sie im Folgenden aufgeführt
ist. Es wäre nett, Sie könnten diese redaktionell berücksichtigen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Emanuel Ingenhoven
In dem Beitrag 'Plädoyer für mehr evidenzbasierte
Chirurgie', Seiler CM et al, Dtsch Arztebl 2004; A 338-344 (Heft6),
wird auf eine Studie von Moseley JB et al aus dem N Enl J Med
2002; 347: 81-88 Bezug genommen, welche unter Experten in 2002 erhebliche
Diskussionen auslöste.
Im Endeffekt hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Moseley's
Ergebnisse nicht haltbar sind, da er undifferenziert Patienten mit
verschiedenen Arthrosestadien unterschiedlicher Genese den in dieser
Studie angewendeten Therapien zuführte und dann auch noch die
Möglichkeiten der modernen Arthroskopie nicht ausschöpfte.
So teilen Keith Chambers et. al., Vancouver Center of Clinical Epidemiology
and Evaluation, mit: Die Art, mit der die Ergebnisse analysiert
wurden und die Methoden der statistischen Analyse sind grob fehlerhaft.
Stephen S. Burkhart, President der Arthroscopy Association of North
America (AANA) : Die offizielle Position der AANA ist, dass
bei sorgfältig ausgewählten Patienten mit Gonarthrose und
mechanischen Symptomen ein arthroskopisches Vorgehen indiziert ist.
In einer in der renommierten nordamerikanischen Zeitschrift Arthroscopy
stellen Fond et al fest: Arthroskopisches Debridement bei Arthrose
des Kniegelenkes erbringt hervorragende Ergebnisse bei geeigneten
Patienten. Den unbestreitbaren Vorteil arthroskopischer Interventionen
bei einer Vielzahl von Gelenkschäden belegen viele Studien.
Patienten mit beginnender Gonarthrose bei z.B. Instabilität und/oder
begrenztem Knorpelschaden und/oder mechanisch wirksamen Meniskusschaden
einer Plazebo-OP zuzuführen ist ebenso unethisch, wie bei mittelgradigem
Kniegelenkverschleiß und fokalen 'Knorpelglatzen' die Durchführung
einer arthroskopischen Operation ohne die Anwendung knorpelstimulierender
Verfahren. Ebenso ist bei hochgradiger Gonarthrose mit Fehlstellung
und Bewegungseinschränkung das Experiment eines isolierten arthroskopischen
Debridements abzulehnen. All dies wird in der Moseley-Studie getan,
da er keine Differenzierung der untersuchten Patienten vornimmt. Das
Moseley auch noch im Verlauf der Studie das Studiendesign änderte,
sei nur am Rande erwähnt. Insofern ist gerade diese Studie ein
Beispiel, wie auf keinen Fall evidenzbasiertes Zahlenmaterial zustande
kommen kann. Im Gegenteil. Die von Moseley getätigten Aussagen
sind, obwohl vordergründig evidenzbasiert, vorwiegend wegen ungenügender
Schärfe der Einschlusskriterien, als falsch einzustufen. Somit
ist gerade diese Studie kein Plädoyer für mehr evidenzbasierte
Chirurgie.
Literatur beim Verfasser
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